Beiträge von nicole-f

    LEXA: Dem würde ich grundsätzlich auch zustimmen!


    Allerdings würde ich nicht als ultima ratio e-Fuels daraus machen. Es gibt noch viele andere Stellen, an denen wir diesen Wasserstoff gebrauchen können, statt mit noch mehr Energieaufwand e-Fuels daraus zu machen - denn mit Wasserstoff hat man ja noch kein e-Fuel, dazu braucht man noch CO2 Abscheider und Reaktoren, die dann aus H2, CO2 und jeder Menge weiterer Energie dann Synthesegas und schlussendlich e-Fuels machen.


    Alleine den Wasserstoff könnte man aber als gut lagerbares Gas als Langzeitspeicher benutzen, um ihn später bei Flauten wieder zu Strom zu machen; wäre vermutlich besser investiert.


    Es sind spannende Zeiten, was Energie angeht! Und es gibt noch keine abschließenden Wahrheiten. Praktisch jeden Tag werden jetzt neue Dinge entwickelt, die effizienter sind - sei es Photovoltaik, Windräder, H2 Herstellung, Speicher jedweder Art für Kurz-, Mittel- und Langzeit... und die unbeliebte Heizungsdiskussion nicht zu vergessen :) Ein "weiter so wie immer" gibt es gerade nicht, wir müssen uns alle auf Neues einstellen. Zumindest ich finde das spannend und aufregend! (In den letzten sechs Monaten war der Anteil Regenerativer um die 60%! Ist das nicht irre? Vor ein paar Jahren noch völlig undenkbar!)


    Was mich aber in der Tat etwas besorgt ist die Verteilung der Lasten dieser Umstellung. Verantwortliche, die eigentlich diese Entwicklung hätten sehen müssen, haben jahrelang lieber Gewinne maximiert, statt zu investieren. Und jetzt, wo wir die Notwendigkeiten dringend vor Augen haben, jetzt jammern alle, dass sie kein Geld haben, mehr Zeit brauchen und verlangen, dass wir als Gesellschaft und Staat dafür aufkommen. Dafür habe ich wenig Verständnis, es ärgert mich und ich finde, unser Staat lässt sich viel zu leichtfertig darauf ein. Ich würde diese Industrien viel mehr in Verantwortung nehmen - Ja, ihr bekommt jetzt Hilfe, obwohl ihr es vergeigt habt, aber diese Hilfe müsst ihr später wieder gut machen! Diese Hilfe darf nicht in Dividenden und Vorstands-Boni enden, sondern zum Wohl der Gesellschaft. Ich hatte mal bspw. so eine Idee als die Diskussion um die Abschöpfung der "Übergewinne" aufkam: Man macht den Konzernen das Angebot, sie können jeden EURO davon behalten, den sie nachweisbar in den Ausbau von allem rund um erneuerbare Energie investieren. Jetzt ist weder das eine noch das andere passiert, stattdessen hatte in der gleichen Zeit RWE das profitabelste Geschäftsjahr seit Gründung.


    Aktuell wird wieder Alarmismus wegen des Niedergangs der Industrie betrieben, gerade am Beispiel von VW, die "Energiekosten"! Viel zu hoch! Die Industrie geht pleite oder wandert ab!

    Ist das so?

    Der Industriestrompreis ist seit Monaten auf einem Niveau von etwa 2016 [1]. VW hat im letzten Jahr 6,2 Milliarden Euro Überschuss [2] gemacht. Ist das also wirklich das Problem? Nein, eher nicht. VW hat eine Produtionsüberkapazität von etwa 500.000 Autos, die haben also ein Absatzproblem! Wundert das irgendjemand? Nein, denn VW hat in den letzten Jahren einige Entwicklungen verschlafen und dann versucht mit der Brechstange schnell Neues auf den Markt zu werfen, was aber leider noch nicht ausgereift war und am Bedarf der Kunden vorbei ging. Das hält leider bis heute an. Das liegt nicht an Standortnachteilen wie hohen Energiepreisen. Das sind selbstgemachte Probleme.


    Was hat das mit e-Fuels zu tun? Nun, Firmen wie VW haben viel in Verbrenner investiert, die sind in der Tat sehr gut und ausgereift. Alternative Antriebe und alles drumherum haben sie verpennt und liegen im Hintertreffen. Also ist die Forderung nach allem, was die alte Technologie am Markt halten könnte, nur logisch. Aus VW Sicht. Deshalb macht es aber noch keinen Sinn.


    Und vielleicht zum Abschluss, China.

    Vor fast 10 Jahren war ich das erste mal in Shenzhen, China. Shenzhen ist eine multi-Millionen Stadt (über 17 Millionen!), irre groß und Zentrum der weltweiten Elektronik, vor allem Smartphone, Produktion. Schon Jahre vor meinem Besuch dort hat Shenzhen konsequent angefangen auf E-Mobilität zu setzen. Zweiräder mit Verbrennungsmotor, die sonst in China sehr beliebt sind, sind im gesamten Gebiet Shenzhen seit Jahren verboten - schon damals, vor 10 Jahren! Alle (!) Linienbusse waren BEV! Fast alle Taxis waren BEV, die letzten Verbrenner Taxen wurden (vor 10 Jahren!) gerade ausgemustert. Zur gleichen Zeit wurde in Deutschland diskutiert, ob denn die Verbreitung von BEV überhaupt möglich sei, das ginge vermutlich gar nicht, die Netze, soviel Strom - bla bla bla. Während es in Shenzhen schon seit Jahren lief. In China.


    Zu der Zeit kannte in Europa auch noch niemand BYD. Aber von wem kamen die E-Busse und E-Taxis? Von BYD! Schon zu dieser Zeit, also vor gut 10 Jahren, war BYD in China soetwas wie VW bei uns, mit eigenen Städten zur Produktion, von allem. Die machen fast alles selbst, vor allem von Anfang auch die Batteriezellen. Heute ist BYD in China einer der größten Produzenten von Lithium-irgendetwas Speichern. Die haben schon e-Auto PKW in Serie gebaut, da haben unsere Autobauer gerade erst angefangen Pläne zu machen. Mich wundert es daher nicht im Geringsten, dass die Chinesen diese E-Autos nun konkurrenzfähig nach Europa bringen. IMHO die gerechte Strafe für die selbstgerechten Europäer, die Jahrzehntelang mit ihrer Überheblichkeit gemeint haben, sie könnten mit ihren Produkten den Chinesischen Markt beherrschen. So schnell wendet sich das Blatt. Ja ja, da sind auch ein paar unfaire Subventionen des Chinesischen Staates im Spiel. Doch das Hauptproblem ist, dass uns die Chinesen bei vielen Technologien, wie eben BEV, einige Jahre voraus sind. Das rächt sich jetzt.


    So, nun aber Schluss :)


    Viele Grüße

    nicole


    [1]

    BDEW-Strompreisanalyse Juli 2024

    [2]

    Jahresergebnis - VW Geschäftsbericht 2023
    geschaeftsbericht2023.volkswagen-group.com

    Wenn eFuels komplett mit überschüssiger erneuerbarer Energie hergestellt werden können, sind sie sehr effizient. Sonst nicht.

    Ich verstehe diesen Effizienz Begriff nicht? Effektiv, vielleicht, aber effizient?

    Effizienz – Wikipedia


    Wenn eine Antriebsart nur 20% der eingesetzten Energie in ihren eigentlich Nutzen umwandelt (Fortbewegung), aber eine andere Antriebsart 80%, wie kann das dann effizient sein? Ich verstehe die Relation hier nicht, also in welcher Hinsicht dies effizient sei soll, egal woher die Energie kommt.


    Viele Grüße

    nicole

    Unser EQA250 ist noch in der Vorbereitung beim Händler, wir haben uns für einen gebrauchten EQA250 der ersten Baureihe (12/2021) entschieden, der hatte alles, worauf ich wirklich wert legen wollte und war preiswert - und ausnahmsweise auch mal in rot statt dem sonst so üblichen weiß, schwarz, silber...


    Wir haben dafür einen älteren C400, den wir geerbt hatten abgegeben. Zuvor hatten wir einen VW e-Up. Im Vergleich zum Up war der C400 einfach riesig! Daher bekam der schon den Namen "Hugo", abgeleitet vom englischen "huge" (groß) :)


    Der EQA wird wieder Hugo heißen, Hugo der II. oder roter Hugo, als Spitzname ;)


    Noch knapp zwei Wochen, dann dürfen wir zur Adoption kommen, ich bin sehr gespannt!


    Viele Grüße

    nicole

    [ schon etwas älterer Thread aber ich bin auch gerade neu hier :) ]


    Mit überschüssigem regenerativem Strom Wasserstoff bspw. durch Elektrolyse herzustellen, ist im Prinzip eine gute Sache. Elektrolyseure eignen sich auch ganz gut dazu, da sie recht zügig hoch und runter geregelt werden können.


    Aber aus diesem Wasserstoff dann eFuels zu machen, halte ich für völligen Unfug, jedenfalls solange, solange wir nicht dauerhaft einen Überschuss an regenerativer Energie haben. Noch sind wir zu fast 50% auf andere Quellen angewiesen, alleine um unsere Stromversorgung zu decken. Wasserstoff wird auch in anderen Industriezweigen direkt als Gas benötigt (bspw. Stahlproduktion). Ein Batterie-E-Antrieb ist effizienter als ein Brennstoffzellen-Wasserstoff-Antrieb und viel effizienter als der Umweg über e-Fuels und Verbrenner.


    Da wir gesamt noch eine Lücke in der Energieversorgung mit Regenerativen haben, verbietet sich eigentlich sofort alles, was durch effizientere Lösungen bei (fast) gleichem Preis ersetzt werden kann.


    Interessant ist hier, was gerne als "well to wheel" bezeichnet wird, also "von der Quelle bis auf die Straße". Ich hatte das auch mal ein wenig recherchiert und bei BEV (Battery Electric Verhicle) liegt das well-to-wheel Verhältnis bei etwa 80%, d.h. ca. 80% der eingesetzten (elektrischen) Energie landen auf der Straße. Bei eFuels liegt das bei etwa 20%. Oder anders gesagt, beim BEV haben wir 20% "Verlust" und 80% Wirkung, bei eFuels sind es 80% Verlust und 20% Wirkung. Je nach Studie variieren die Zahlen ein wenig, aber die Größenordnung ist in etwa die gleiche.



    Also nein e-Fuels sind, auf jeden Fall aktuell, für die normale PKW Mobilität keine diskutable Alternative. Wenn wir dann dereinst mal in Solar- und Windstrom "schwimmen", dann kann von mir aus gerne jemand "vergoldete" e-Fuels tonnenweise in Oldtimern zu 30 Liter / 100km verheizen. Bittesehr, wenn's Spaß macht!

    Aber bitte nicht, solange wir noch 40-50% unseres Stroms aus Kohle, Gas und anderen Quellen beziehen.


    PS: Bei e-Fules sollte man IMHO auch bedenken, dass Verbrenner nie 100% sauber sind. In deren Abgasen sind noch lauter unschöne Dinge dabei, die wir eigentlich nicht in großem Stil in die Umwelt pusten wollen, wenn wir wir es vermeiden können. Und das können wir, mit E-Antrieben.


    Viele Grüße

    nicole